Ost-Ausschuss organisiert Wirtschaftsgespräch im Z5+1-Format / Fünf Staaten Zentralasiens für wirtschaftliche Diversifizierung von strategischer Bedeutung
Im Rahmen des Gipfel-Treffens der Außenminister aus Zentralasien mit Bundesaußenminister Johann Wadephul im Z5+1-Format organisierte der Ost-Ausschuss am 11. Februar ein hochrangiges Wirtschaftsgespräch. Niko Warbanoff, Präsidiumsmitglied und Sprecher des Arbeitskreises Zentralasien im Ost-Ausschuss, forderte dabei Wirtschaft und Politik dazu auf, die sich bietenden Chancen zu nutzen: „Deutschland und Europa müssen jetzt schnell handeln. Auch in Zentralasien entscheidet sich, wer geopolitisch künftig mitgestaltet.“
Das Format Z5+1 ist noch recht jung: Das erste deutsch-zentralasiatische Gipfeltreffen fand im September 2023 statt, als der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz alle fünf Staatschefs der Region erstmals in Berlin begrüßen konnte. Bereits damals übernahm der Ost-Ausschuss die Federführung für einen hochrangigen Wirtschaftsgipfel. Es folgte ein zweiter Gipfel 2024 in Kasachstan und Usbekistan mit hochrangigen Delegationen. Dass es unter der nachfolgenden Bundesregierung nun erstmals in Berlin zu einem gemeinsamen Treffen der Außenminister kam, lässt auf eine weitere Intensivierung der Beziehungen hoffen.
Die fünf zentralasiatischen Länder Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan rücken wegen ihrer strategischen Lage und ihres Ressourcenreichtums ins Zentrum internationaler Aufmerksamkeit. Gerade mit Blick auf das wachsende Engagement der Großmächte China, USA und Russland aber auch der Türkei und der Golfstaaten in der Region ist für die deutsche Wirtschaft und den Ost-Ausschuss die strategische Weiterentwicklung und politische Flankierung der Beziehungen durch die Bundesregierung und die Europäische Kommission von höchster Bedeutung.
Dies war auch die Kernbotschaft der 90-minütigen Abstimmungsrunde im ehrwürdigen Weltsaal des Auswärtigen Amts mit Bundesaußenminister Johann Wadephul, den vier Außenministern aus Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan sowie dem stellvertretenden turkmenischen Außenminister. In Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt konnte der Ost-Ausschusses rund 20 in der Region stark engagierte Unternehmen sowie Vertreterinnen und Vertreter von DIHK und BDI für die vertrauliche Runde nominieren.
Dynamischer Wirtschaftsraum mit junger Bevölkerung
„Zentralasien ist ein dynamischer Wirtschaftsraum mit hohen Wachstumsraten, einer jungen, qualifizierten Bevölkerung und enormem Potenzial für Partnerschaften in den Bereichen Energie, Rohstoffe und Infrastruktur. Damit können wir unsere wirtschaftliche Resilienz stärken und neue Lieferketten etablieren“, unterstrich Niko Warbanoff, der als Moderator durch das Treffen im Weltsaal führte.
In den Mittelpunkt des Austausches rückten die Themen Rohstoffförderung, Agrarwirtschaft, Energienetze, Wasser- und Klimaschutz sowie der Ausbau der Logistikketten. In der Region besonders engagierte deutsche Unternehmen wie Siemens Energy, Schachtbau Nordhausen, John Deere, Claas und Rhenus hatten dabei stellvertretend die Möglichkeit, ihr Engagement vorzustellen und neue Projekte aber auch noch bestehende Defizite anzusprechen.
Die Außenminister beschrieben ihrerseits die wirtschaftlichen Potenziale ihrer Länder etwa zur Erschließung, Förderung und Verarbeitung begehrter Rohstoffe wie Seltene Erden, Kupfer, Gold, Silber oder Antimon und zur Erzeugung von grünem Wasserstoff für die Energiewende. Vor allem aber betonten sie den Wert verlässlicher Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit für internationale Investoren und strichen jüngste Erfolge in ihren jeweiligen Ländern heraus.
Lange Jahre hatten die fünf Länder eher miteinander rivalisiert als kooperiert. Dies hat sich insbesondere auf Initiative der wirtschaftlich stärksten Länder Kasachstan und Usbekistan inzwischen grundsätzlich geändert. Die fünf Regierungen stimmen sich vor allem in der Wirtschaftspolitik zunehmend ab, verbessern ihre grenzüberschreitende Infrastruktur und steigern damit ihre Attraktivität für internationale Investoren sowie gleichzeitig ihr internationales Gewicht.
Gemeinsam bilden die fünf Länder einen Markt mit 80 Millionen Menschen und erzielten 2025 im Schnitt ein Wachstum von sechs Prozent. Die Bevölkerung ist jung und wächst weiter. Dies bedeutet wiederum einen steigenden Bedarf an Maschinen, Anlagen und Konsumgütern, was Unternehmen einen attraktiven Markt eröffnet. Besonders gut sind in der Region die Voraussetzungen für die Rohstoffförderung und die Erzeugung grüner Energie durch Wasserkraft, Wind- und Solarenergie. Die Agrarwirtschaft insbesondere in Kasachstan erzielt große Exportüberschüsse, die zur Sicherung der Welternährung gebraucht werden. Durch den Klimawandel mit größeren Dürren wird aber dringend Technik zur Verbesserung der Ernten benötigt. Und spätestens mit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und den für den Transit durch Russland geltenden Sanktionen ist die Bedeutung der zentralasiatischen Transportrouten stark gestiegen, was große Projekte zum Ausbau der Verkehrswege und Häfen am Kaspischen Meer nach sich zieht.
„Mehr Tempo nötig“
Die EU will dem größeren Gewicht der Region im Rahmen ihrer Initiative Global Gateway Rechnung tragen und hat inzwischen Zusagen von über zehn Milliarden Euro für Verkehrs- und Konnektivitätsprojekte gemacht. Dies könnte die Grundlage für einen weiteren Wirtschaftsboom schaffen. „Wir brauchen aber jetzt mehr Tempo bei der logistischen Anbindung der Region“, betonte Warbanoff. „Deutsche Akteure können hier mit ihrer technischen Expertise, ihrem Projektmanagement und ihrer regulatorischen Erfahrung punkten.“ Mit immerhin 35.000 Arbeitsplätzen, die in Zentralasien geschaffen wurden, sind deutsche Unternehmen bereits erkennbar präsent.
Um diese Beziehungen noch zu erleichtern, setzt sich der Ost-Ausschuss für erleichterte Visaverfahren für Geschäftsleuten aus der Region und die Ausstellung mehrjähriger Businessvisa ein. Warbanoff begrüßte zudem ausdrücklich die durch die Bundesregierung ausgehandelten Migrationsabkommen und Fachkräfteinitiativen mit der Region. „Wir hoffen, dass diese in absehbarer Zeit mit konkreten Projekten unterlegt werden.“
Am Ende dankte Außenminister Wadephul als Gastgeber allen Beteiligten und räumte gleichzeitig ein, dass ein Austausch von 90 Minuten nicht ausreiche, um intensiver ins Gespräch zu kommen. Er habe allerdings vor, in nächster Zeit in die Region zu reisen und werde dabei die Wirtschaft gerne berücksichtigen.
Andreas Metz
Leiter Public Affairs im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft
Astana/Berlin, 5. März 2025 – Kasachstans Bedeutung als wichtige Mittelmacht und Brückenbauer nimmt weiter zu. Die UN-Generalversammlung hat auf ihrer jüngsten Sitzung einstimmig eine Resolution zur Einrichtung des UN-Regionalzentrums für nachhaltige Entwicklungsziele (SDGs) für Zentralasien und Afghanistan angenommen. 152 UN-Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland und die Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten unterstützten die Resolution als Mitunterzeichner und setzen damit großes Vertrauen in Kasachstan. Sitz des UN-Regionalzentrums für nachhaltige Entwicklungsziele wird die ehemalige kasachische Hauptstadt Almaty, die bereits Sitz von 18 weiteren internationalen und UN-Agenturen ist.
Angesichts der aktuellen Weltlage und tiefer Spannungslinien innerhalb der Vereinten Nationen, ist die mit großer internationaler Mehrheit getroffene Entscheidung, ein weiteres UN-Zentrum in Almaty zu eröffnen, ein wichtiges und historisches Ereignis. Es unterstreicht das Vertrauen der internationalen Staatengemeinschaft in das neuntgrößte Land der Welt und Kasachstans Rolle als wichtige Mittelmacht sowie stabilisierender Brückenbauer zwischen den Staaten.
Als größte Volkswirtschaft Zentralasiens ist Kasachstan bestrebt, die regionale Zusammenarbeit zu stärken und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Wirtschaftswachstum Afghanistans – die Stabilität und der Wohlstand dieses Landes sind unmittelbar mit der Sicherheit und dem Wohlergehen Zentralasiens verbunden.
Das neue UN-Zentrum in Almaty soll als wichtige Plattform für die Koordinierung internationaler und regionaler Bemühungen, den Austausch bewährter Verfahren, die Bereitstellung technischer Hilfe und die Durchführung gemeinsamer Projekte dienen. Es wird mit Regierungen, internationalen Organisationen, dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um greifbare Fortschritte zu erzielen.
Das Zentrum wird auch eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung des UN-Systems spielen und die Effektivität der Organisation auf regionaler Ebene erhöhen. Seine Arbeit wird sich auf die Stärkung der Koordinierung zwischen den UN-Organisationen, die Anpassung globaler Initiativen an regionale Bedürfnisse und die Förderung der internationalen Zusammenarbeit konzentrieren.
Pressemitteilung der Botschaft der Republik Kasachstan in Deutschland
Astana/Berlin, 04. April 2025 – Im Rahmen des Gipfeltreffens Zentralasien – Europäische Union in Samarkand führte der Präsident der Republik Kasachstan, Kassym-Schomart Tokajew, Gespräche mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, sowie der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Vertiefung der wirtschaftlichen, politischen und technologischen Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und der Europäischen Union.
Die Europäische Union ist der größte Handelspartner und Investor Kasachstans. Der Anteil der EU am Gesamtvolumen der ausländischen Direktinvestitionen in Kasachstan beträgt über 40 Prozent. Das Handelsvolumen zwischen Kasachstan und den EU-Mitgliedstaaten beträgt rund 50 Milliarden US-Dollar, was 80 Prozent des gesamten Handels der EU mit den zentralasiatischen Staaten ausmacht.
Präsident Tokajew und Ratspräsident Costa erörterten Möglichkeiten zur Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in verschiedenen Sektoren. Beide Seiten betonten die Bedeutung einer dynamischen Partnerschaft, die auf gegenseitigem Vertrauen, strategischen Interessen und langfristigen Perspektiven basiert.
Am Rande des Gipfels traf Präsident Tokajew mit der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, zusammen. Die Gespräche konzentrierten sich auf die Zukunft der Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Digitalisierung und Innovation. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Einleitung von Verfahren zur Vereinfachung des Visaverfahrens zwischen Kasachstan und der EU.
Darüber hinaus betonte Präsident Tokajev, dass das Abkommen über eine verstärkte Partnerschaft und Zusammenarbeit weiterhin die Grundlage für die Interaktion zwischen Kasachstan und der EU bildet. In diesem Zusammenhang nannte er Schlüsselbereiche für die Vertiefung der Zusammenarbeit, darunter Energie-, Infrastruktur- und Industrieprojekte, die Entwicklung von Transport- und Logistiknetzwerken sowie digitale Innovation, fortgeschrittene Technologien und künstliche Intelligenz.
Parallel zu den Gipfelgesprächen gab das kasachische Industrieministerium die Entdeckung eines großen Vorkommens Seltener Erden in der Region Karaganda bekannt. Dazu gehören Cer, Lanthan, Neodym und Yttrium. Diese Elemente spielen eine entscheidende Rolle in der modernen Industrie, insbesondere bei der Herstellung von Elektroautos, Smartphones und Windkraftanlagen. Angesichts des Versorgungsengpasses bei Seltenen Erden und der hohen Importabhängigkeit der EU ist diese Entdeckung von strategischer Bedeutung. Brüssel verfolgt das Ziel, die Rohstoffsicherheit in der Region Zentralasien zu stärken, um nachhaltige und widerstandsfähige Lieferketten aufzubauen.
Die Gesprächspartner vereinbarten, den Dialog im Rahmen der Dialogplattform C5+EU fortzusetzen und aktuelle Themen der regionalen und internationalen Agenda gemeinsam anzugehen. Mit diesen wegweisenden Gesprächen bekräftigen Kasachstan und die Europäische Union ihre strategische Partnerschaft und legen den Grundstein für eine vertiefte wirtschaftliche, technologische und politische Zusammenarbeit.
Pressemitteilung der Botschaft der Republik Kasachstan in Deutschland
Am 5. Juni fand in Brüssel das 11. Treffen des hochrangigen politischen und sicherheitspolitischen Dialogs zwischen Zentralasien und der Europäischen Union statt. Im Rahmen der Veranstaltung wurden die Fragen der regionalen Sicherheit, interregionalen Zusammenarbeit und der geopolitischen Herausforderungen diskutiert.
Die stellvertretenden Außenminister der zentralasiatischen Länder und der stellvertretende Generalsekretär und politische Direktor des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD), Enrique Mora, überprüften die Fortschritte bei der Umsetzung des Gemeinsamen Fahrplans zur Vertiefung der Beziehungen zwischen Zentralasien und der EU. Die Teilnehmer diskutierten über Transport-, Handels-, Wirtschafts-, Energie- und Klimabeziehungen sowie allgemeine Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit der Lage in Afghanistan.
Der stellvertretende Außenminister Kasachstans, Roman Vassilenko, präsentierte mehrere Initiativen zum Ausbau der interregionalen Zusammenarbeit mit der EU, die voraussichtlich neue Dynamik in die Energie-, Handels- und Wasserwirtschaft bringen werden. Vassilenko hob hervor, dass Zentralasien und die EU über ein breites Spektrum an Partnerschaftsinstrumenten verfügen, darunter Industrieplattformen, vertrauensvollen politischen Dialog und institutionelle Mechanismen. Diese sind erforderlich, um neue Qualitätsindikatoren in den Bereichen Handel, Verkehr, Exporte und Energie zu erreichen. Er hob das Wachstum der Export-Import-Aktivitäten in der Region sowie die Schaffung großer regionaler Projekte hervor, die die Wirtschaftslandschaft Zentralasiens nachhaltig verändern werden.