44. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs in Brüssel
12 November 2025
Brüssel
Das 44. Treffen des Berliner Eurasischen Klubs (BEK) in Brüssel am 12. November stand ganz im Zeichen des geopolitisch immer bedeutsamer werdenden Transkaspischen Korridors. Über 50 hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Logistik und Verkehrsinfrastruktur diskutierten die Zukunft dieses strategischen Handelswegs und die Rolle Kasachstans in der europäischen Konnektivität.
Michael Harms, Geschäftsführer, Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft Nurlan Onzhanov, Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter der Republik Kasachstan in Deutschland Roman Vassilenko, Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter der Republik Kasachstan in Belgien Stefan Geisperger, COO International Business & Consulting, DB Engineering & Consulting GmbH Foto: Tatiana Bratkina
Der Mittlere Korridor entwickelt sich zunehmend zu einer bedeutenden Alternativroute für den Handel zwischen Asien und Europa. Angesichts globaler Unsicherheiten, zunehmender Risiken auf traditionellen Routen und einer wachsenden Nachfrage nach resilienten Lieferketten rückt er immer mehr ins Zentrum der europäischen Konnektivitätsdebatte.
Kasachstan baut Infrastruktur mit Rekordgeschwindigkeit aus
Kasachstan spielt dabei eine Schlüsselrolle. Das Land positioniert sich als logistisches Rückgrat des Korridors und baut seine Infrastruktur mit Rekordgeschwindigkeit aus. Wie der amtierende Verkehrsminister Zhanibek Taizhanov in seiner Keynote betonte, trägt der Transportsektor inzwischen rund zehn Prozent zum kasachischen Bruttoinlandsprodukt bei und wächst seit Jahren zweistellig. In die Infrastruktur wurden allein in den vergangenen zehn Jahren 35 Milliarden US-Dollar investiert, bis 2030 sollen weitere 15 Milliarden US-Dollar folgen.
Michael Harms, der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, machte in seinem Beitrag deutlich, dass die EU-Initiative Global Gateway weit mehr ist als eine reine Ost-West-Verbindung. Er formulierte drei zentrale Punkte:
Global Gateway fördert Interregionalität: Es geht um die Stärkung des europäischen Nachbarschaftsraums und die bessere Anbindung von Regionen entlang des Korridors.
Investitionen folgen dem Handel: Mit unzureichender Logistik geraten selbst vielversprechende Rohstoffprojekte ins Stocken.
Europa braucht verlässliche Lieferwege. Aufgrund der geopolitischen Entwicklungen entsteht ein klarer Bedarf, Güter sicher, stabil und planbar in die EU zu bringen.
Der EU-Parlamentarier Sergey Lagodinsky brachte die politische Dimension auf den Punkt: Europa müsse den Blick erweitern – geografisch, wirtschaftlich und strategisch. Der Mittlere Korridor sei nicht nur ein Handelsweg, sondern auch Teil der europäischen Resilienzstrategie, da er einen sicheren, nachhaltigen und geopolitisch unabhängigen Zugang zu zentralasiatischen Märkten und Ressourcen biete.
Erweiterung der Umschlagkapazitäten im Kaspischen Raum entscheidend
Derzeit dauert der Transport über den Nordkorridor via Russland rund zwölf Tage. Im Mittleren Korridor sind es noch 40 bis 60 Tage, das erklärte Ziel sind 30 Tage. Stefan Geißerberger von DB Engineering & Consulting hob hervor, dass die kasachische Eisenbahninfrastruktur gut ausgebaut sei. Nun komme es entscheidend auf die Erweiterung der Umschlagkapazitäten im Kaspischen Raum an. Heinrich Kerstgens von Rhenus SE & Co. KG ergänzte, dass der Korridor funktioniere, wenn seine Einzelsegmente optimiert würden: „Wir brauchen nicht unbedingt große, sondern regelmäßig verkehrende Schiffe nach Fahrplan“, sagte Kerstgens. Zudem sei der Ausbau der Bahnverbindung von Aserbaidschan nach Georgien essenziell.
Auch im Luftfahrtsektor treibt Kasachstan den Ausbau konsequent voran. Darhan Katyshev, Vizevorsitzender des kasachischen Luftfahrtkomitees, berichtete von der aktiven Entwicklung von sechs Luftverkehrshubs sowie einer staatlichen Initiative zur Produktion von Flugbenzin. Aktuell werden 30 bis 40 Prozent des Kerosins importiert. Mittelfristig soll Kasachstan jedoch vollständig eigenversorgt sein.
Schlüsselland für die Zukunft der eurasischen Konnektivität
Das 44. Treffen des Berliner Eurasischen Klubs machte deutlich: Der Mittlere Korridor ist längst mehr als ein logistisches Alternativprojekt. Er wird zu einem strategischen Bestandteil der europäischen Global-Gateway-Agenda und zu einem zentralen Pfeiler in den Beziehungen zwischen der EU, Deutschland und Kasachstan. Durch massive Investitionen in die Infrastruktur, neue Luft- und Seehäfen, Digitalisierung und grüne Energie positioniert sich Kasachstan als stabiler, moderner und verlässlicher Partner – und als Schlüsselland für die Zukunft der eurasischen Konnektivität.
43. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs in Astana
7 April 2025
Astana
Um Perspektiven und potenzielle Kooperationsprojekte im Bereich Wassermanagement und duale Ausbildung auszutauschen, laden wir gemeinsam mit der Botschaft der Republik Kasachstan in Deutschland Sie herzlich zur
43. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs am 20. Mai 2025 von 15.30 bis 18.30 Uhr in Astana.
Kasachstan und Deutschland arbeiten in Bereichen wie der effizienten Nutzung von Wasserressourcen und der Wasseraufbereitung zusammen. Vor dem Hintergrund des Klimawandels arbeitet Kasachstan an einer effizienteren Nutzung der Wasserressourcen und der Modernisierung der Infrastruktur, wobei auch die Zusammenarbeit mit Nachbarländern und internationalen Partnern eine wichtige Rolle spielt. Deutschland unterstützt Kasachstan bei der Modernisierung der Wasserinfrastruktur und der Entwicklung nachhaltiger Bewirtschaftungsmethoden, um den Herausforderungen des Klimawandels und der Wasserknappheit zu begegnen. Gemeinsame Projekte und der Austausch von Fachkräften stärken die Zusammenarbeit.
Deutsch-kasachische Zusammenarbeit im Bereich der dualen Ausbildung zwischen Kasachstan und Deutschland wird kontinuierlich ausgebaut. Kasachische Fachkräfte profitieren von deutschen Ausbildungsmodellen, die theoretische Ausbildung mit praktischer Erfahrung in Unternehmen verbinden. Deutsche Unternehmen in Kasachstan und deutsche Institutionen spielen eine Schlüsselrolle bei der Einführung und Förderung des dualen Ausbildungssystems, um qualifizierte Fachkräfte für die Industrie und andere Sektoren zu schaffen. Besonders relevant ist dieses Thema im Hinblick darauf, dass das Jahr 2025 in Kasachstan offiziell zum „Jahr der Arbeitsberufe“ ausgerufen wurde.
Für weitere Fragen und Informationen stehen Ihnen der Leiter der Wirtschaftsabteilung, Botschaftsrat Mirzhan Baimakhanov (Tel.: 030 47 007 128, E-Mail: M.Baimakhanov@mfa.kz) und die Assistentin für Zentralasien im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft Evgeniya Temnaya (Tel.: 030 206 167 163, E-Mail: E.Temnaya@oa-ev.de) gerne zur Verfügung.
Bitte melden Sie sich bis zum 12.Mai 2025 mit dem Code BEK0525 unter www.oa-event.de an. Wir freuen uns darauf, Sie in Astana willkommen zu heißen.
Die Sitzung findet im Rahmen der vom Ost-Ausschuss organisierten Delegationsreise nach Astana statt. Mehr Informationen entnehmen Sie bitte dem Link. Für Rückfragen steht Ihnen Assistentin der Regionaldirektion Zentralasien, Evgeniya Temnaya zur Verfügung.
Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs in Berlin widmete sich dem Thema Finanzierung Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan haben sich in den letzten Jahren intensiviert. Deutschland ist einer der größten europäischen Investoren, insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, erneuerbare Energien und Infrastruktur. Deutsche Unternehmen schätzen die strategische Lage Kasachstans und die reichen Energie- und Rohstoffressourcen des Landes. Durch eine Reihe von Wirtschaftsreformen und die Schaffung eines stabilen Rechtsrahmens hat sich Kasachstan als attraktiver Standort für ausländische Investitionen positioniert.
Für die Umsetzung gemeinsamer Projekte stehen zahlreiche Förderinstrumente und Unterstützungsmechanismen zur Verfügung. Dazu zählt auch der neue Rohstofffonds der Bundesregierung, der von der KfW betreut wird und Projekte unterstützen soll, die Standorten in Deutschland und der EU den langfristigen Bezug kritischer Rohstoffe sichern. Deutsche Banken und Finanzinstitute spielen eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Finanzierungsinstrumenten, die den Zugang zu Kapital erleichtern. Nicht immer erreichen die Angebote allerdings die Adressaten. Finanzierungsfragen standen daher auf der 42. Sitzung des deutsch-kasachischen Berliner Eurasischen Klubs (BEK), die am 5. Dezember in Berlin stattfand, im Mittelpunkt.
Onzhanov: Bestehende Hindernisse überwinden Zur Begrüßung ließ der kasachische Botschafter Nurlan Onzhanov wichtige bilaterale Ereignisse des Jahres Revue passieren, darunter den Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz in Zentralasien im September 2024, und hob die immer engere deutsch-kasachische Zusammenarbeit im Rohstoffsektor und bei Investitionen hervor. Die beim Besuch des Bundeskanzlers unterzeichneten Abkommen verdeutlichten das wachsende Interesse beider Länder an einer engeren Zusammenarbeit. Onzhanov würdigte die Bemühungen des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Dennoch mahnte er ein stärkeres Engagement Deutschlands an, um bestehende Hindernisse zu überwinden.
Der kasachische Vizeminister für Industrie und Bauwesen Olzhas Saparbekov betonte, dass Kasachstan neben dem Rohstoffexport auch die verarbeitende Industrie fördern wolle. Gerlind Heckmann, Unterabteilungsleiterin im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) betonte die Bedeutung der Energie- und Klimapolitik in den bilateralen Beziehungen.
Instrumente stehen bereit In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern deutscher und kasachischer Finanzierungs- und Förderinstitutionen, die Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms moderierte, wurde deutlich, dass es zwar eine Vielzahl von Instrumenten zur Finanzierung und Absicherung von Exporten und Investitionen gibt, diese aber häufig nicht bei mittelständischen Unternehmen ankommen. Hemmnisse seien die Bürokratie, Dokumentationsanforderungen und der fehlende Zugang zu Finanzierungsangeboten über die Hausbanken. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es ein zunehmendes „Hintergrundrauschen“ bei deutsch-kasachischen Projekten gibt, deren konkrete Zahl aber noch überschaubar ist. Jetzt müssen konkrete Schritte folgen. Die Instrumente stehen bereit.
Christian Himmighoffen Leiter Presse und Kommunikation im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft
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41. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs
41. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs in Brüssel: Kasachstan auf dem Weg zur Klimaneutralität
17 Oktober 2024
Brüssel
Berliner Eurasischer Klub in Brüssel bespricht Umsetzung der ESG-Kriterien / Kasachstan will bis 2060 klimaneutral werden Die 41. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs in Brüssel am 17. Oktober 2024 diente einer Bestandsaufnahme, wo die kasachische Wirtschaft mit Blick auf das Thema ESG (Environmental, Social and Governance) aktuell steht und inwieweit die grüne Wirtschaftstransformation in der größten Volkswirtschaft Zentralasiens vorangekommen ist. Brüssel war als Veranstaltungsort gut gewählt, denn ESG-Regelungen werden nicht mehr national sondern im Verbund der Europäischen Union beschlossen und gestaltet.
Mit rund 40 Prozent ist die EU der wichtigste Handelspartner Kasachstans. Künftig werden nur mehr die Unternehmen im europäischen Markt eine Chance haben, die nachweisen können, dass sie die ESG-Kriterien einhalten oder auf dem Weg zu ihrer Umsetzung sind. Roman Vassilenko, stellvertretener Außenminister der Republik Kasachstan, skizzierte den rund 50 Konferenzbeteiligten in seiner Keynote dazu die ehrgeizigen Pläne der kasachischen Regierung: Bis 2060 will das Land komplett klimaneutral sein. Der Anteil von derzeit 6,5 Prozent Erneuerbarer Energien an der Erzeugung soll bis 2030 auf 15 Prozent gesteigert werden.
Deutschland gilt mit seiner jahrelangen Erfahrung und den weltweit modernsten Technologien nach den Worten des stellvertretenden Ministers für Umwelt und natürliche Ressourcen der Republik Kasachstan Mansur Oshurbaev im Rahmen des Transformationsprozesses als idealer Partner. Die Kooperation soll nach den Vorstellungen der kasachischen Partner dabei über das Thema Energie hinausgehen und auch Kreislaufwirtschaft, Green Building, grüne Logistik und grüne Finanzierung umfassen. Seit 2021 gilt in Kasachstan eine Umweltgesetzgebung, die sich stark an europäischen Regeln orientiert.
600 Millionen Dollar für grüne Projekte allein 2024 Vor allem beim Thema nachhaltige Finanzierung ist die Zusammenarbeit mit internationalen Finanzinstitutionen unabdingbar. Nach den Worten des Managing Directors des Internationalen Finanzcenters Astana (AIFC) Daniyar Kelbetov sind in diesem Jahr rund 600 Millionen Dollar für die Umsetzung grüner Projekte veranschlagt. Das dürfte jedoch nur der Anfang einer dauerhaften Entwicklung sein. Die Bedingungen für grüne Finanzierung und die Zertifizierung von Finanzprodukten stehen besonders im Fokus der Aufmerksamkeit. Europäische und internationale Förder- und Privatbanken sollen und müssen interessiert werden, um den Prozess mitzufinanzieren.
Die Europäische Union ist bereit, Kasachstan auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft und bei der konkreten Umsetzung zu unterstützen, fachlich und finanziell. Cyrill Loisel, International Relations Officer in der „Energy Platform Task Force“ der Europäischen Kommission, betonte die Wichtigkeit der Transformation der kasachischen Energiewirtschaft insgesamt, aber auch die Zusammenarbeit auf anderen Gebieten wie strategischen Rohstoffen, der Kreislaufwirtschaft und sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit, um unter den gegenwärtigen geopolitischen Gegebenheiten eine von Russland und China unabhängigere Position einnehmen zu können.
Die neue Realität in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen hat auch dazu geführt, dass sich Lieferketten, Wertschöpfung und die Suche nach neuen Partnern sehr dynamisch entwickeln. Damit kasachische Firmen Teil des Umstrukturierungsprozesses bleiben und werden können, ist auch eine Anpassung an die europäischen Berichts- und Nachweispflichten notwendig. Am Beispiel des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes verdeutlichte Sebastian von Haldenwang, Counsel bei Dentons, die Chancen für Lieferanten sich als neue Partner zu etablieren und den gesamten EU-Markt zu beliefern. Allerdings erfordere der Umgang mit den im Umfang massiven und in ihrer Stringenz überschaubaren Regelungen sehr viel Geduld und Expertise.
Fazit: Kasachstan hat einen klaren Plan für die Transformation des Landes hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Die Grad der Auseinandersetzung mit den europäischen Regelungen für ESG und Nachhaltigkeit ist weit fortgeschritten und macht das Land zu einem guten Partner für deutsche und europäische Unternehmen. Zumal die Voraussetzungen für die Erzeugung alternativer Energien aus Wind und Sonne besser kaum sein könnten: Mit dem Projekt Hyrasia One plant die deutsch-schwedische Svevind Group einen riesigen Wind-Solar-Wasserstoff-Park in Kasachstan, der bis zu zwei Millionen Tonnen grünen Wasserstoff oder elf Millionen Tonnen grünen Ammoniak pro Jahr produzieren könnte. Wenn die Produktion beginnt, wird Kasachstan auch ein potenzieller Lieferant für den hohen Bedarf an grünem Wasserstoff für Deutschland sein können.
Jens Böhlmann, Direktor Mittelstand / Grüne Transformation im Ost-Ausschuss
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40. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs
40. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs in Astana
15 Mai 2024
Astana
Jubiläumssitzung des Berliner Eurasischen Klubs in Astana – Rohstoffkooperation und Landwirtschaft im Fokus
Treffen mit dem Staatspräsidenten Foto: Akorda.kz
Am 15. Mai 2024 durfte der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und die Botschaft der Republik Kasachstan in Deutschland über 150 Gäste bei der 40. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs in der kasachischen Hauptstadt Astana begrüßen. Im Fokus der Jubiläumssitzung, die im Rahmen der Delegationsreise des Ost-Ausschusses nach Kasachstan stattfand, standen die Rohstoffkooperation und die Zusammenarbeit im Bereich der Landwirtschaft. Beide Themen haben eine strategische Bedeutung für Deutschland und Kasachstan und bei beiden Themen stehet man vor Herausforderungen. Die Begrüßung übernahmen, dem Jubiläum entsprechend, die Ost-Ausschuss-Vorsitzende Cathrina Claas-Mühlhäuser und der 1. Vizepremierminister Kasachstan Roman Sklyar. Beide betonten in Ihren Reden die Bedeutung der Dialogplattform, die 2012 von dem damaligen kasachischen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew und dem deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher ins Leben gerufen wurde, für die Stärkung der beiderseitigen Beziehungen. In den 39 vorangegangen Begegnungsformaten konnten über 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die aktuellen Themen der der deutsch-kasachischen und der europäisch-zentralasiatischen Beziehungen diskutieren offen und konstruktiv diskutieren. Damit habe sich die gemeinsame Plattform als ein traditionsreiches und auch effektives Instrument der bilateralen Zusammenarbeit erwiesen.
Podiumsdiskussion zu Rohstoffkooperation
Foto: Ost-Ausschuss
In der ersten Podiumsdiskussion des Jubiläumevents wurde das immens aktuelle Thema der Rohstoffkooperation und Rohstoffsicherheit besprochen.
Deutschland vom Ausland abhängig, um seinen Bedarf an kritischen Rohstoffen zu decken. Diese Abhängigkeit besteht nicht erst seit dem Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine, wurde aber durch diesen verschärft. Und dennoch ist Deutschland gefährlich unbeteiligt beim Rohstoffabbau. In den vergangenen Jahren ist die Beteiligung deutscher Investoren an ausländischen Bergbauunternehmen eingebrochen. Dies gilt auch für andere EU-Staaten. Höchste Zeit hier gegenzusteuern. Dass mit Kasachstan die deutsche Wirtschaft einen Partner hat, der nicht nur die die Möglichkeiten, sprich Rohstoffe hat, sondern den erklärten Willen zur Zusammenarbeit signalisiert, wurde bei den Beiträgen der kasachischen Sprechern sichtbar. Unter anderem hat die Vize-Außenministerin der Republik Kasachstan Nazira Nurbaeva die modernen Rahmenbedingungen und die Untestützungsmaßnahmen Kasachstans im Bereich der Rohstoffe. Dass der Ball in der deutschen Hälfte liegt, wurde in den Beiträgen der deutschen Seite, unter anderem vom Ost-Ausschuss-Geschäftsführer und Co-Vorsitzenden des Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsrates Michael Harms sowie vom Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDI e.V. Wolfgang Niedermark, betont. Beide waren aber optimistisch, dass die Voraussetzungen für eine Kooperation so positiv wie nie sind.
Das zweite Thema Sitzung, die Landwirtschaft, ist da schon viel weiter. Als großer Getreideproduzent spielt Kasachstan eine wichtige Rolle für die Ernährung der Welt. Hier wollen deutsche Unternehmen Kasachstan bei der Modernisierung seines Agrarsektors unterstützen mit dem Ziel, die landwirtschaftliche Produktion und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse auszuweiten und auch das Exportpotenzial zu stärken. Bereits jetzt spielt deutsche Landtechnik eine wichtige Rolle in dem Land. Wie diese noch stärker werden kann, und wie das Exportpotenzial des Landes, vor allem bei weiterverarbeiteten Produkten gehoben werden kann, waren die Schwerpunkte der zweiten Podiumsdiskussion, die von Per Brodersen, Geschäftsführer der German Agribusiness Alliance moderiert wurde.
Roundtable mit Roman Sklyar
Foto: Ost-Ausschuss
Bereits am Vormittag fand ein Treffen der Ost-Ausschuss-Vorsitzenden und der Delegation mit dem kasachischen Staatspräsidenten Kassym-Schomart Toqajew statt, danach hatte die Delegation die Gelegenheit, konkrete Anliegen und Projekte mit dem 1. Vizepremierminister Sklyar zu besprechen. Abgerundet wurde die Reise des Ost-Ausschusses mit einem Investment Round Table mit einem regionalen Fokus gemeinsam mit der Stiftung der Deutschkasachen „Wiedergeburt“ sowie einem Gespräch mit dem Akim der Region Aqmola und mit regionalen Unternehmensvertretern in Kokshetau.
39. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs (BEK): Von der Hochschulbildung und Forschung zum Geschäftsmodell – deutsch-kasachische Kooperation in der angewandten Wissenschaft
14 Dezember 2023
Berlin
Kasachstan sucht Kooperation in der Wissenschaft
Der stellvertretende Außenminister der Republik Kasachstan Roman Vassilenko. Foto: Natalija Nemtschinowa (OA)
In der modernen High-Tech-Welt ist eine erfolgreiche Entwicklung der Wirtschaft nur auf der Grundlage ihrer engen Verflechtung mit der Wissenschaft möglich. Die Kommerzialisierung der neuen Technologien ist von der kasachischen Regierung als eine der strategischen nationalen Prioritäten festgelegt worden. Die Zusammenarbeit mit dem Wissens-, Innovations- und Businessstandort Deutschland ist dabei für Kasachstan von besonderer Bedeutung.
Beide Länder können bereits eine Reihe von positiven Ergebnissen durch die Kooperation zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Förderinstitutionen aufweisen, dennoch ist noch Raum für den weiteren Ausbau. Um neue Kooperationsprojekte zu identifizieren, hatten die Botschaft der Republik Kasachstan und der Ost-Ausschuss am 14. Dezember zur 39. Sitzung des bilateralen Berliner Eurasischen Klubs eingeladen. Thema: „Von der Hochschulbildung und Forschung zum Geschäftsmodell – deutsch-kasachische Kooperation in der angewandten Wissenschaft“.
Technische Ausstattung der kasachischen Hochschulen oft sehr gut
Über 80 Teilnehmer informierten im Rahmen der traditionellen BEK-Abschlussveranstaltung zum Jahresende in Berlin über entsprechende Kooperationsmöglichkeiten zwischen den beiden Ländern. Die technische Ausstattung der kasachischen Hochschulen sei oft sehr gut, und vor allem junge Wissenschaftler könnten mittlerweile Auslandserfahrung und internationale Sprachkenntnisse vorweisen, so Ost-Ausschusses Geschäftsführer Michael Harms in seiner Eröffnung. Der stellvertretende Außenminister der Republik Kasachstan Roman Vassilenko und die Beauftragte für Außenwissenschafts-, Bildungs- und Forschungspolitik im Auswärtigen Amt Anke Reiffenstuel betonten die bereits sehr guten Beziehungen zwischen den Wissenschaftslandschaften beider Länder. Diese würden auch auf der höchsten politischen Ebene flankiert.
Podiumsdiskussion zur Hochschulkooperation Foto: Natalija Nemtschinowa (OA)
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden aktuellen Vorhaben der kasachischen Regierung unter anderem durch Darkhan Ahmed-Zaki, den stellvertretenden Minister für Wissenschaft und Hochschulwesen, dargestellt. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen würden in Kasachstan modernisiert. Derzeit wolle man vor allem das Thema Venture Capital angehen, um die bestmöglichen finanziellen Rahmenbedungen für die angewandte Forschung aber auch für deren Kommerzialisierung in Kasachstan zu schaffen.
Forschungsausgaben in Kasachstan noch überschaubar
Bislang sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Kasachstan noch überschaubar. Mit 700 Millionen US-Dollar respektive 0,2 Prozent des BIP liegt das Land deutlich unter dem OECD-Durchschnitt. Im Vergleich dazu schneidet Deutschland mit 148 Milliarden US-Dollar (3,2 Prozent des BIP) überdurchschnittlich gut ab. Hierbei spielen vor allem die Ausgaben der Unternehmen eine große Rolle. Kasachstan will hier mit steuerlichen Anreizen nachjustieren.
Die deutsche Perspektive wurde von Prof. Wolrad Rommel, dem Präsidenten der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU), Jens Neugebauer, Leiter der Gruppe der internationalen Vertretungen und Lead Advisors der Fraunhofer-Gesellschaft sowie Prof. Jörg Bagdahn, Präsident der Hochschule Anhalt und Mitglied der Gründungskommission der Deutschen Agentur für Transfer und Innovation (DATI) vorgestellt. So ist die DKU mittlerweile dabei sich neu aufzustellen und sich von einer reinen Lehr- zu einer Forschungseinrichtung zu entwickeln. Spannend waren auch die Erfahrungen der Fraunhofer-Gesellschaft, die rund ein Drittel ihres Jahresbudgets von drei Milliarden Euro aus Industrieprojekten finanziert. Hier wären gemeinsame Projekte mit der kasachischen Wirtschaft von großem Interesse.
Insgesamt zeigte die 39. Sitzung des BEK, dass die Chancen für eine Kooperation in der Wissenschaft groß sind. Vor allem junge auslandserfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden diese auf eine neue Ebene heben können.
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38. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs
38. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs: Weiterentwicklung der Zusammenarbeit zwischen der EU und Kasachstan
19 Oktober 2023
Brüssel
Die EU ist der bedeutendste Wirtschafts- und Handelspartner für Kasachstan. Um die Beziehungen zwischen Kasachstan und der EU in diesem Bereich noch weiter zu vertiefen wollen wir gemeinsam im Rahmen der 38. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs diskutieren.
38. Treffen des Berliner Eurasischen Klubs in Brüssel
Die EU ist der wichtigste Wirtschafts- und Handelspartner Kasachstans. Rund die Hälfte des kasachischen Außenhandels und der Auslandsinvestitionen entfallen auf die EU. Gleichzeitig wird die Rolle Chinas in Zentralasien und in Kasachstan als wesentlich größer wahrgenommen. Wie die EU ihre tatsächliche Bedeutung sichtbarer machen und ihr Gewicht in der Region erhöhen kann, war Thema des 38. Treffens des Berliner Eurasischen Klubs in der EU-Hauptstadt Brüssel. Mit dabei waren Vertreter der kasachischen Regierung, der Europäischen Kommission und der Wirtschaft.
Fazit Nummer eins: Die Bedeutung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen der EU zu Kasachstan ist allen Seiten bewusst, und sie sollen noch viel stärker ausgebaut werden. Den rechtlichen und institutionellen Rahmen für die Zusammenarbeit bildet das Erweiterte Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (EPCA), das im März 2020 in Kraft getreten ist. Es ist ein Schlüsseldokument, das die Beziehungen zwischen der EU und Kasachstan in 29 verschiedenen Bereichen regelt, darunter unter anderem Wirtschaft und Handel, öffentliche Verwaltung sowie kulturelle und humanitäre Zusammenarbeit. Kasachstan ist der erste und bislang einzige zentralasiatische Partner, der ein EPCA mit der EU abgeschlossen hat.
Nun gelte es, das Abkommen mit Leben zu füllen, sagte der stellvertretende kasachische Außenminister Roman Vassilenko in seiner Begrüßung. Dazu gehörten Visaerleichterungen, der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen vor allem in Bereichen wie kritische Rohstoffe, grüner Wasserstoff, Transport und Logistik, Digitalisierung, Luftfahrt sowie Bildung und Forschung. Gemeinsam mit der EU wolle man hier konkrete Schritte vereinbaren und auch umsetzen.
Dies fand Zustimmung auf Seiten der EU-Kommission. Joaquim Nunes de Almeida, Direktor, der Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU (GROW), betonte, dass die EU sich verstärkt finanziell engagieren wolle, vor allem bei den Themen Nachhaltigkeit und grüne Transformation. Das EPCA mit Kasachstan bezeichnete er als für beide Seiten vorteilhaft.
Intensivierung der Kontakte angestrebt
Die anschließende Podiumsdiskussion, die von Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms moderiert wurde, drehte sich vor allem um diejenigen Branchen, in denen es Synergien zwischen Kasachstan und der EU gibt. Die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Kontakte zwischen Unternehmen, aber auch zwischen Menschen stand dann im Mittelpunkt der zweiten Podiumsdiskussion, die vom Beiratsvorsitzenden des Berliner Eurasischen Klubs Peter Tils moderiert wurde.
Visafreiheit, Zusammenarbeit im Tourismus und wissenschaftliche Kooperation sind nur einige der möglichen Ansätze für ein stärkeres Miteinander. Insgesamt seien die diplomatischen Beziehungen der EU zu Kasachstan und Zentralasien auf einem hervorragenden Stand, so Terhi Hakala, Botschafterin und EU-Sonderbeauftragte für Zentralasien, in ihrem Beitrag. Es gebe zahlreiche gemeinsame Formate, die von einem kooperativen Ansatz geprägt seien, so die EU-Botschafterin. Ende Oktober wird es in Brüssel ein gemeinsames Treffen mit den fünf zentralasiatischen Außenministern geben. Aber auch das Thema Russland-Sanktionen wurde bei dem Treffen in Brüssel offen diskutiert.
Insgesamt hat sich der Berliner Eurasische Klub einmal mehr als exklusive Plattform für offene, aber auch kontroverse Diskussionen erwiesen und die Partner in Brüssel an einen Tisch gebracht.
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37. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs
Perspektiven der Entwicklung der kasachisch-deutschen Zusammenarbeit im Bereich der technischen und dualen Ausbildung
16 Mai 2023
Astana
Die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und Deutschland im Bereich der technischen Hochschul- und Berufsbildung wurde heute während des 37. Treffens des Berliner Eurasischen Klubs diskutiert.
An der Veranstaltung in der Eurasischen Nationalen Gumiljow-Universität nahmen mehr als 100 Delegierte aus Kasachstan und Deutschland teil, darunter Vertreter staatlicher Stellen, höherer und weiterführender Berufsschulen, Wirtschaftsverbände, der Wirtschaft und der Expertengemeinschaft.
In seiner Begrüßungsrede sprach der stellvertretende Außenminister der Republik Kasachstan, Roman Vassilenko, über die fortschreitende Entwicklung der kasachisch-deutschen Zusammenarbeit und wies auf die Notwendigkeit hin, die Ausbildung der technischen Fachkräfte für die weitere Industrialisierung und den Ausbau des Industriepotenzials Kasachstans zu erweitern.
„Kasachstan setzt ernsthaft auf die Bildung und Entwicklung des Humankapitals, das zusammen mit deutschem Know-how und fortschrittlichen Technologien zu einem der Schlüsselfaktoren werden sollte, die dazu beitragen, die kasachisch-deutsche Zusammenarbeit auf ein qualitativ neues Niveau zu bringen“
Roman Vassilenko
Manfred Grundke, Mitglied des Präsidiums des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und Zentralasien-Sprecher, berichtete über das steigende Wachstum der Handels- und Wirtschaftskooperation zwischen den Staaten und das große Interesse deutscher Unternehmer am Ausbau ihrer Präsenz im vielversprechenden kasachischen Markt.
Trotz der grundlegenden Veränderungen in den globalen Lieferketten nimmt der Handel zwischen Kasachstan und Deutschland von Jahr zu Jahr beeindruckend zu. Laut deutschen Statistiken, betrug er im Jahr 2022 9,7 Milliarden Euro. Auch bei den deutschen Außenhandelspartnern stieg Kasachstan zum Jahresende 2022 gleich um 10 Plätze auf (Platz 43). Deutschland wiederum rangiert auf dem 10. Platz unter den größten Investoren in die kasachische Wirtschaft.
Der Vizeminister für Wissenschaft und Hochschulbildung der Republik Kasachstan, Kuanysh Yergaliyev, sprach in seinem Impulsvortrag über die Pläne für die Entwicklung der technischen Hochschulbildung in Kasachstan. Insbesondere über den Fortschritt bei der Eröffnung von Zweigstellen führender ausländischer technischer Universitäten in der Republik und über die Umsetzung des Programms „500 Wissenschaftler“ zur Organisation von Praktika kasachischer Forscher im Ausland.
Beauftragter des Auswärtigen Amtes für Außenwissenschafts-, Bildungs- und Forschungspolitik, Vito Cecere, sprach über die Science-Diplomacy und über die Aussichten für deren weiteren Ausbau.
Ihm zufolge unterstützt das Auswärtige Amt u.a. die Aktivitäten des Goethe-Instituts, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH-Schulen), der Deutsch-Kasachischen Universität, der Stiftung für die Unterstützung Deutscher im Ausland (SVmDA) u.a.
Moderiert wurde die BEK-Veranstaltung von dem kasachischen Botschafter in Deutschland, Nurlan Onzhanov, und dem Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Michael Harms.
Bei der Podiumsdiskussion informierte der Präsident der Deutsch-Kasachischen Universität, Prof. Dr. Wolrad Rommel, die Teilnehmer über die Umsetzung von Projekten zur Eröffnung des Kasachisch-Deutschen Instituts für Ingenieurwesen auf Basis der Kaspischen Yessenov-Universität für Technik und Ingenieurwesen in Aktau und des Kasachisch-Deutschen Instituts für Wissenschaft und Technologie im Bergbau an der Technischen Serikbayev-Universität im Ostkasachstan.
An der Diskussion nahmen der Vizeminister für Bildung der Republik Kasachstan Yedil Ospan, der Vorsitzende des Präsidiums der Nationalen Unternehmerkammer „Atameken“ Raimbek Batalov, der Rektor der Technischen Universität der Bergakademie Freiberg und Vorsitzender der sächsischen Landesrektorenkonferenz Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht, Rektor der Satbayev-Universität Meyram Begentayev und der Referatsleiter Osteuropa, Südkaukasus, Zentralasien der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) André Fritsche teil.
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36. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs
Kasachstan und Deutschland – 30 Jahre verlässliche Partnerschaft: ein Blick in die Zukunft
12 Dezember 2022
Berlin
An der Veranstaltung nahmen über 120 Vertreter von Regierungsbehörden, Wirtschaftskreisen, internationalen Organisationen, Industrieverbänden und Experten aus der Republik Kasachstan und der Bundesrepublik Deutschland teil. Hauptredner der Eröffnungsveranstaltung waren der Außenminister der Republik Kasachstan M. Tileuberdi, der Staatsminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland Tobias Lindner und der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz Michael Kellner.
Aus Anlass der 30-jährigen Jubiläums der deutsch-kasachischen Beziehungen wurde auf der 36. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs am 13. Dezember 2022 ein Blick in die Zukunft geworfen. Einig waren sich alle Teilnehmer der Veranstaltung im Berliner Hotel Waldorf Astoria, dass Kasachstan im Zuge der notwendigen Diversifizierung der deutschen Wirtschaft eine wachsende Bedeutung zukommt. Dabei sind die Zusammenarbeit im Energie- und Rohstoffsektor, die Entwicklung der Transportwege und die Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten entscheidende Stellgrößen.
Sprungbrett für deutsche Unternehmen in benachbarte Märkte
Der stellvertretende Premierminister und Außenminister Mukhtar Tileuberdi unterstrich in seiner Begrüßung den „langfristig stabilen Reformkurs“ der Regierung. „Wir haben einen Prozess der Transformation begonnen“, sagte Tileuberdi. Dazu gehörten auch demokratische Reformen wie die Sicherung der Bürgerrechte und eine unabhängige Justiz. Der Außenminister betonte die Kooperationsmöglichkeiten beider Länder bei der Energiewende und im Rohstoffsektor. Ein Ergebnis des jüngsten Besuchs von Außenministerin Annalena Baerbock im Land sei die geplante Eröffnung eines „Wasserstoffdiplomatie-Büros“ in Kasachstan. Als ein konkretes Projekt wies Tileuberdi auf das Windkraft-Projekt der deutschen Svevind Energy GmbH hin. Schon 2030 will Kasachstan die Wasserstoff-Produktion starten und mittelfristig ein Fünftel des europäischen Importbedarfs decken. Ziel seines Landes sei es generell, seine Position unter den Handelspartnern Deutschlands weiter auszubauen. „Kasachstan kann ein Sprungbrett für deutsche Unternehmen in benachbarte Märkte sein“, sagte Tileuberdi.
Dabei rennt Kasachstan in Deutschland offene Türen ein. „Kasachstan hat sich eine Schlüsselrolle in Zentralasien erarbeitet“, sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt Tobias Lindner: „Wir schätzen Kasachstan als verlässlichen Partner und Richtungsgeber in der Region.“ Er lobte die Bemühungen des Ost-Ausschusses und der kasachischen Botschaft zur Stärkung der der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. „Wir suchen ein Verhältnis auf Augenhöhe“, sagte Lindner. Sein Kollege Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, betonte insbesondere den Nutzen einer Energiepartnerschaft mit dem zentralasiatischen Land. Neben der bilateralen Zusammenarbeit beim Ausbau der Erneuerbaren Energie und der Steigerung der Energieeffizienz solle das bilaterale Wasserstoffabkommen möglichst schnell umgesetzt werden. „Kasachstan ist hier unser wichtigster Partner in Zentralasien“, sagte Kellner. Dafür brauche das Land Unterstützung beim Ausbau der Exportkapazitäten, etwa seiner Häfen am Kaspischen Meer.
Verlässlicher Partner für Energiesicherheit und Dekarbonisierung
Um den Ausbau der Logistikrouten, insbesondere des Mittleren Korridors über den Kaukasus, die industrielle Kooperation und die Finanzierungsmöglichkeiten drehte sich die anschließende Podiumsdiskussion, die von Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms moderiert wurde. Kairat Kelimbetov, Governor des Astana International Financial Centers, betonte die verbindende Rolle Kasachstans innerhalb der globalen Wirtschaft zwischen Europa und China. „Wir können nicht alles ersetzen, aber wir können ein verlässlicher Partner für Energiesicherheit und Dekarbonisierung sein“, sagte Kelimbetov. Kasachstan habe gute Beziehungen zu Russland und China, wickle aber schon heute die Hälfte seines Handels mit der EU ab. Dazu komme, dass über Kasachstan 70 Prozent des Transitvolumens zwischen Europa und Asien transportiert werde, wie Yernar Zhanadil, Geschäftsführender Direktor der staatlichen Holding Samruk-Kazyna AG erläuterte. Die Eisenbahn sei unter anderem durch die fortschreitende Elektrifizierung auch Teil der Dekarbonisierungsstrategie des Landes.
Ost-Ausschuss-Präsidiumsmitglied Niko Warbanoff von der Deutschen Bahn verwies auf die wachsende Bedeutung des Mittleren Korridors und beklagte, dass noch nicht genug für die Umsetzung der Global-Gatewy-Initiative der EU getan werde. „Entscheidendes Thema sind Transportkorridore“, sagte er. „Die Belt & Road-Initiative hat uns nicht überrollt, aber es bleibt Luft für Global Gateway.“ Dabei führe an China kein Weg vorbei. „Ohne Kooperation mit China kriegen wir die Transporte nicht organisiert“, so Warbanoff. Sehr positive Erfahrungen habe die Deutsche Bahn bei der Kooperation mit der Kasachischen Eisenbahn gemacht.
Kasachstan ist geografisch in einer sehr spannenden Lage
Auf die Rolle Kasachstans im Rahmen der notwendigen Diversifizierung der deutschen Absatz- und Beschaffungsmärkte wies Ost-Ausschuss-Präsidiumsmitglied Edna Schöne von der Euler Hermes AG hin. „Diversifizierung ist das Gebot der Stunde. Kasachstan ist geografisch in einer sehr spannenden Lage“ sagte sie. „Wir haben in Deutschland die Technologien zur Modernisierung der kasachischen Wirtschaft und großes Interesse an Lieferungen aus Kasachstan.“ Eine wichtige Rolle zur Förderung des deutschen Absatzes im Land spiele für Exportkreditversicherer die Reformagenda des Präsidenten. Nachdem für Kasachstan aufgrund von offenen Schadensfällen lange keine Hermes-Deckungen verfügbar waren, beobachtet Schöne nun einen deutlichen Anstieg im kurzfristigen Handelsgeschäft als Frühindikator für größere Transaktionen. „So richtig ist es da noch nicht abgegangen“, räumte sie aber ein. „Wir stehen bereit.“
Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), unterstrich, dass das neue deutsche Geschäftsmodell auf sehr viel mehr Säulen stehen müsse. „Instrumente werden in Anspruch genommen, wenn der Markt das hergibt“, sagte er. Am Anfang steht die unternehmerische Entscheidung.“ Kasachstan werde im Zuge der Diversifizierung als Markt an Bedeutung gewinnen.