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„Zentralasien findet heute statt“

Deutsch-Kasachischer Wirtschaftsrat diskutierte bilaterale Projekte/ Energie, Rohstoffe und Logistik im Fokus
Zentralasien ist nicht bloß ein Zukunftsmarkt, sondern bietet schon jetzt zahlreiche Möglichkeiten für deutsche Unternehmen. Diese Einschätzung zog sich wie ein roter Faden durch die 17. Sitzung des Deutschen-Kasachischen Wirtschaftsrates, der am 27. August im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin stattfand. Die zahlreichen dort vorgestellten Projekte zeigten eindrucksvoll, wie breit die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan mittlerweile aufgestellt sind. In den Mittelpunkt rückten dabei die Branchen Rohstoffe, Energie, Maschinenbau, Verkehr und Logistik sowie nachhaltige Entwicklung. Zugleich wurde klar: Angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbs müssen deutsche Unternehmen schneller handeln, früher vor Ort sein und langfristige Partnerschaften mit lokalen Akteuren aufbauen.

Eröffnet wurde die Sitzung von den beiden Ko-Vorsitzenden Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms und dem stellvertretenden kasachischen Außenminister Alibek Kuantyrov. Im Mittelpunkt der Sitzung des Wirtschaftsrats stand die praktische Zusammenarbeit an konkreten Investitions- und Industrieprojekten. Seit 2005 sind nach kasachischen Angaben rund acht Milliarden US-Dollar an deutschen Direktinvestitionen nach Kasachstan geflossen. Die Importe von dort nehmen zu, aber die Exporte nach Kasachstan waren zuletzt rückläufig. Neue Chancen für deutsche Unternehmen entstehen insbesondere durch die stärkere Lokalisierung von Produktion, die Zusammenarbeit bei strategischen Rohstoffen, die Modernisierung der Energie- und Verkehrsinfrastruktur sowie durch Projekte im Finanz- und Gesundheitssektor. „Kasachstan ist ein Land neuer Chancen“, sagte Minister Kuantyrow, der sein Eingangsstatement auf Deutsch vortrug.

Starker Wettbewerb um Partnerschaften
Die Stimmung unter den bereits in Kasachstan tätigen deutschen Unternehmen ist insgesamt positiv. Zugleich bestehen Herausforderungen, unter anderem durch Wechselkursrisiken, Fachkräftemangel, Anforderungen bei Ausschreibungen sowie die Exportkontrollen und strengen deutschen Ausfuhrprüfungen im Rahmen der Russland-Sanktionen. Dies erschwert die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Zentralasien insgesamt. So beklagte der Vertreter Lieferanten von Bergbauausrüstungen die strenge Sanktionskontrolle, obwohl Bergbautechnik ortsgebunden sei und nicht weitergeliefert werden könne.

In der Diskussion wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass Deutschland und Europa im Wettbewerb um den kasachischen Markt nicht allein sind. Andere internationale Partner wie China, die Nahost-Staaten, die Türkei und die USA bauen ihre Präsenz mit hoher Geschwindigkeit aus. „Ich verstehe nicht, dass Deutschland so zurückhaltend ist“, sagte Jens Barth, Entwicklungsdirektor beim kasachischen Bergbauunternehmen Quarmet an die deutschen Teilnehmenden gerichtet: „Wenn Ihr weiter so zurückhaltend seid, werdet ihr Probleme bekommen.“

Für deutsche Unternehmen bedeutet dies: Sie müssen jetzt kommen, stärker lokal denken und gemeinsam mit kasachischen Partnern passende Lösungen entwickeln. Kasachstan ist dabei kein Markt für kurzfristige Geschäfte. Erfolgreich sind vor allem Unternehmen, die langfristig investieren, Service- und Ausbildungsstrukturen aufbauen und schrittweise mehr Wertschöpfung vor Ort schaffen.

Rohstoffe: Mehr Wertschöpfung vor Ort
Ein Schwerpunkt der Sitzung lag auf der deutsch-kasachischen Rohstoffzusammenarbeit. Diskutiert wurden Kooperationsmöglichkeiten bei Kupfer, Gold, seltenen Metallen und weiteren strategischen Rohstoffen. Dabei geht es für die kasachische Seite nicht nur um die Gewinnung und Lieferung von Rohstoffen, sondern auch um deren Weiterverarbeitung in Kasachstan.

Als konkrete Beispiele wurden Partnerschaften zur Verarbeitung von Kupferkonzentraten und Recyclingmaterialien sowie ein geplantes Leuchtturmprojekt für die Düngerproduktion mit einem Investitionsvolumen von 2,4 Milliarden Euro vorgestellt. Zugleich wurde deutlich, dass langfristige Rohstoffprojekte eine frühzeitige Abstimmung zwischen Produzenten, Abnehmern, Technologieanbietern und Finanzierern benötigen. Hilfreich sind neue Finanzierungsinstrumente wie der Kfw-Rohstofffonds, der eine direkte Beteiligung an Projekten vorsieht. Wünschenswert ist zudem die Bildung deutscher Konsortien, die gemeinsam komplette Planungs-, Beschaffungs- und Bauleistungen anbieten können.

Energie und grüner Wandel
Kasachstan verfolgt ambitionierte Pläne für die Modernisierung seines Energiesystems, ist zugleich aber weiterhin stark von Kohle und anderen fossilen Energieträgern abhängig. Daraus ergibt sich ein breites Betätigungsfeld für deutsche Technologieanbieter.

Auf der Sitzung wurden unter anderem Projekte für einen grünen Energiekorridor zwischen Zentralasien und Europa, den Einsatz moderner Gasturbinen und den Ausbau von Stromverteilungsanlagen vorgestellt. Ein weiteres konkretes Vorhaben zielt darauf, die Restwärme älterer Heizkraftwerke besser zu nutzen und dadurch deren Energieeffizienz zu erhöhen. Immerhin ist der Energiebedarf pro BIP-Einheit in Kasachstan dreieinhalb mal so hoch wie in Deutschland. Eine deutsch-kasachische Technologieplattform könnte dabei helfen, entsprechende Lösungen zunächst in einem Pilotprojekt zu erproben.

Lokalisierung als Erfolgsmodell
Im Maschinenbau wurde anhand mehrerer Beispiele deutlich, wie wichtig die Verbindung von Vertrieb, Service, Ausbildung und lokaler Produktion ist. Deutsche Unternehmen haben ihre Fertigung in Kasachstan in den vergangenen Jahren schrittweise ausgebaut und beliefern von dort teilweise weitere Märkte in der Region. Die vorgestellten Projekte reichten von Landtechnik und Pumpensystemen, über Anlagen für technische Gase bis zur Produktion großformatiger Kunststoffrohre. Gerade bei Produkten, deren Transport aufwendig und teuer ist, bietet eine Produktion vor Ort erhebliche Vorteile. Gleichzeitig schafft die Lokalisierung qualifizierte Arbeitsplätze und stärkt den Technologietransfer. „Kasachstan ist zwar ein riesiges Land, aber nicht der größte Markt, um Investitionen zu rechtfertigen“, sagte Jens Dallendörfer vom Pumpenhersteller WILO. Man arbeite aber daran, weiter zu lokalisieren und beliefere von Kasachstan aus zehn weitere Länder. Auch der deutsche Landmaschinenhersteller Claas, der seit einigen Jahren in Kasachstan montiert, erhöht sukzessive die Wertschöpfung im Land.

Ein weiteres zentrales Thema war der Ausbau der Verkehrs- und Logistikinfrastruktur. Vorgestellt wurden Projekte zur Modernisierung der kasachischen Eisenbahn, zur Entwicklung von Instandhaltungskonzepten und zum Ausbau des Containerverkehrs. Besondere Bedeutung kommt dem geplanten intermodalen Containerterminal im Hafen Aktau mit einer Kapazität von bis zu 300.000 TEU zu. Das Projekt soll die Leistungsfähigkeit der transkaspischen Route stärken. Es gehe nicht um den schnellen Verkehr zwischen EU und China. Da gebe es schnellere Wege, sagte Heinrich Kerstgens von Rhenus, sondern um die Verbindung zwischen der EU und Zentralasien. Die Länder der Region sind eben nicht nur Transitstaaten, sondern eigenständige Produktions-, Investitions- und Absatzmärkte.

Wasser und Nachhaltigkeit als Zukunftsfelder
Auch nachhaltige Entwicklung und Wasserwirtschaft bieten großes Potenzial für die bilaterale Zusammenarbeit. Rund 44 Prozent des kasachischen Flusswassers stammen aus dem Ausland. Gleichzeitig verschärft der Klimawandel die Herausforderungen bei Wasserversorgung und Wassermanagement. Diskutiert wurden die Modernisierung von Leitungsnetzen und Abwassersystemen in zahlreichen Kommunen sowie die Idee eines deutsch-kasachischen Wasserlabors. Weitere Vorhaben betreffen die Verwertung von Altglas, die Nutzung industrieller Restwärme und den Aufbau von Kompetenzen im Gesundheitssektor. Das Programm der Sitzung umfasste zudem die Vorstellung der Investitionsplattform Alatau City und ihrer prioritären Geschäftsfelder für deutsche Investoren.

Mehr Tempo und langfristiges Engagement erforderlich
Die DKWR-Sitzung machte deutlich, dass deutsche Unternehmen in Kasachstan über einen hervorragenden Ruf verfügen und in zahlreichen Branchen gefragte Technologie- und Investitionspartner sind. Dieses Image ist jedoch kein Selbstläufer. Die zentrale Botschaft lautete deshalb: Deutsche Unternehmen sollten die Chancen in Kasachstan und Zentralasien jetzt nutzen. Gefragt sind angesichts des scharfen Wettbewerbs in der Region mehr Tempo, eine stärkere Präsenz vor Ort und der Mut, langfristige Partnerschaften einzugehen. Der Deutsche-Kasachische Wirtschaftsrat bietet eine passende Plattform, um Unternehmen, Politik und Finanzierungsinstitutionen zusammenzubringen und aus Projektideen konkrete Kooperationen zu entwickeln.

Christian Himmighoffen
Leiter Presse und Kommunikation
im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

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Wichtigster Partner in Zentralasien

Logistik, Rohstoffe und Finanzierung im Fokus/ Über 200 Teilnehmende aus Deutschland und Kasachstan

Am 24. Februar versammelten sich zum Kazakhstan Investment Day 2026 über 200 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter in den Räumlichkeiten der KfW Bankengruppe in Frankfurt am Main. In Anknüpfung an die bereits etablierten Treffen im Rahmen der deutsch-kasachischen Arbeitsgruppe für Finanzierung und Risikoabsicherung sowie der traditionellen deutsch-kasachischen Wirtschaftsforen hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, Diskussionen mit hochrangigen Gästen aus den Bereichen Finanzierung und Logistik im Hinblick auf die Investitions- und Wirtschaftskooperation zwischen Kasachstan und Deutschland zu verfolgen.

Kasachstans als strategischer Partner
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Christiane Laibach, Mitglied des Vorstands der KfW, und Nurlan Onzhanov, dem kasachischen Botschafter in Deutschland. Thomas Steffen, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), hob in seiner Keynote hervor, dass Kasachstan Deutschlands wichtigster Partner in Zentralasien sei und man diese besondere Wirtschaftsbeziehung weiter ausbauen wolle, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Situation. Deutschland brauche verlässliche Partner, und Kasachstan sei ein solcher Partner, etwa in den Bereichen Logistik (Mittlerer Korridor) und Rohstoffpartnerschaften. Dafür müssten manche Prozesse beschleunigt werden, etwa in Hinblick auf Visa-Angelegenheiten und BAFA-Genehmigungen. Das BMWE sei daran interessiert, an diesen Problemen zu arbeiten, auch wenn dies wegen der Sanktionen nicht einfach sei.

Unter der Leitung von Yersaiyn Nagaspayev, dem kasachischen Minister für Industrie und Bauwesen, war eine Delegation aus Kasachstan zum Investment Day angereist, darunter Vertreter von Ministerien und regionalen Stakeholdern. Der Minister betonte die Attraktivität Kasachstans für Investitionen und die kontinuierlichen Bemühungen, die Bedingungen für Investoren zu verbessern. Kasachstan hat dazu sein Netzwerk auf 17 Sonderwirtschaftszonen erweitert, um Industrialisierung und Investitionen zu fördern. In diesen Zonen werden Steuerbefreiungen, Zollvergünstigungen und Unterstützung bei der Infrastruktur angeboten, um ausländische Investitionen in Schlüsselbranchen anzuziehen.

Logistik als Schlüssel zur Rohstoff- und Versorgungssicherheit
In der Podiumsdiskussion zur Logistik, die von Michael Harms, dem Geschäftsführer des Ost-Ausschusses, moderiert wurde, wurden neue Impulse für den Mittleren Korridor als Schlüsselroute zur Sicherung von Lieferketten und dem Zugang zu Rohstoffen gesetzt. Auf dem Podium diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Banken, darunter Gastgeber KfW und die Entwicklungsbank Kasachstans, die Möglichkeiten der Zusammenarbeit. So hat die Entwicklungsbank von Kasachstan ein Programm in Höhe von einer Milliarde US-Dollar zur Finanzierung der Gewinnung und Verarbeitung seltener und kritischer Rohstoffe aufgelegt. Es zielt auf Lanthanide, Lithium, Kobalt und andere Rohstoffe, um mittlere und große Investitionsprojekte zu unterstützen. Den Rohstoffsektor vertraten Thyssen Schachtbau, Schachtbau Nordhausen, Solidcore Resources und Qazaq Kalium Ltd. Deutschland zielt darauf ab, langfristige und zuverlässige Lieferbeziehungen aufzubauen. Diese werden durch die wachsende Bedeutung des Mittleren Korridors und der EU-Initiative Global Gateway logistisch unterstützt.

Finanzierung entscheidend
Im zweiten Teil des Investment Day wurden Export- und Investitionsgarantien sowie -instrumente diskutiert. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzenden Timur Onzhanov von der National Investment Holding Baiterek JSC erläuterte die kürzlich erfolgte Umstrukturierung von Baiterek, die dazu diene, entsprechende sektorspezifische Teams aufzubauen, die Projekte fachlich betreuen und ausländische Partner unterstützen könnten. Herwig Maaßen von PricewaterhouseCoopers berichtete über Finanzierungsrisiken. Laut einer Umfrage unter Kreditexportinstitutionen sei die geopolitische Situation eine der drei größten Sorgen, während die Auswirkungen der KI und der Fachkräftemangel in den Hintergrund träten.

Den Abschluss des „Kazakhstan Investment Day 2026” bildete die Unterzeichnung einer Finanzierungspartnerschaft zwischen der KfW IPEX-Bank und dem Bergbauunternehmen Solidcore Resources. Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig Kasachstan für Deutschland als verlässlicher Partner in den Bereichen Investitionen, Logistik und Rohstoffe ist. Darüber hinaus wurde die wachsende Bedeutung von Finanzkooperationen unterstrichen, die durch neue Programme, institutionelle Reformen und konkrete Partnerschaften gefördert werden.

Evgenya Temnaya
Regionaldirektion Zentralasien

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„Central Asia remains a region on the move“

In an interview to CT Executive Research, Vladimir Nikitenko, Regional Director for Central Asia at the German Eastern Business Association, discussed the prospects for economic development in Central Asian countries and highlighted Kazakhstan’s growing role in cooperation with Germany.

How would you evaluate the current economic landscape of the Central Asian states, and what key trends do you anticipate emerging in the coming years?

Economic development in Central Asia remains remarkable. With a population of around 80 million, the five countries in the region form a large, albeit still heterogeneous, market. All countries are working hard to diversify their economies and expand their industrial base, while simultaneously maintaining a delicate equilibrium in their engagements with China, Russia and the European Union.
Central Asia is increasingly coming into the international spotlight in light of global power shifts, not least because of its strategic location as a bridge between Europe and Asia, and its rich natural resources. The region’s economies are on a clear growth path: average growth rates have been around 7% in recent years, and international institutions expect stable growth to continue in 2026.

Where do you see the greatest opportunities for German companies in Central Asia over the next five years?

Over the next five years, German companies will see great opportunities in many areas in Central Asia. There is enormous pressure for reform in the energy and water sectors: the countries in the region need to modernise their energy supply and at the same time manage their water resources more sustainably. This is creating a broad demand for German expertise. Projects in the field of green energy are currently developing particularly dynamically – from the construction of new solar and wind farms to pilot projects in the field of green hydrogen.
New prospects are also emerging in the raw materials industry. Kazakhstan is investing in the development and processing of critical minerals and aims to become a long-term alternative to China for rare earths. This is a very important project for Germany. Initial projects involving German technology partners, for example in potassium extraction, demonstrate the potential of this cooperation.
Geographically, the region acts as a link between the European Union (EU) and the emerging markets in Southeast Asia. Although the so-called Middle Corridor across the Caspian Sea poses a logistical challenge due to the necessary transhipment processes (road/rail – ship – road/rail), it offers considerable growth potential in view of geopolitical developments. Logistics, construction and infrastructure are expanding, driven by a young population, growing urbanisation and increasing investment activity.

The full interview with Vladimir Nikitenko is available via the link.

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Kasachstan ist Deutschlands drittgrößter Öllieferant

Kasachstan ist Deutschlands drittgrößter Öllieferant und baut Rolle als strategischer Energie- und Rohstoffpartner weiter aus

Berlin/Astana, 24. Juni 2025 – Kasachstan entwickelt sich rasant zu einem Schlüssellieferanten für Deutschlands Energie- und Rohstoffversorgung. Laut Statistischem Bundesamt importierte Deutschland im Jahr 2024 rund 10,6 Millionen Tonnen kasachisches Öl. Davon gelangte eine Teilmenge von rund 1,5 Millionen Tonnen Öl über die Druschba-Pipeline in die Raffinerie Schwedt nach Deutschland.

Kasachstan forciert zugleich die Diversifizierung seiner Exportrouten, um eine robuste und geopolitisch resilientere Versorgung zu gewährleisten. Dies stärkt die Position des Landes als verlässlicher Energiepartner auch über den Ölsektor hinaus.

Besonders im Fokus steht derzeit der strategisch bedeutsame Rohstoffsektor. Kasachstan verfügt über umfangreiche Vorkommen an Seltenen Erden, Lithium, Kobalt und weiteren kritischen Metallen, die für die Energiewende, Digitalisierung und Hochtechnologie unverzichtbar sind. Jüngst wurde nahe der Industriestadt Karaganda ein bedeutendes neues Vorkommen Seltener Erden entdeckt, das laut kasachischen Behörden mehr als 30.000 Tonnen förderbare Ressourcen umfassen soll. Erste Erkundungsbohrungen bestätigen das Potenzial für einen langfristigen, industriell nutzbaren Abbau.

Die Bundesregierung hat bereits im Rahmen ihrer Rohstoffstrategie 2024 angekündigt, Kooperationen mit Ländern wie Kasachstan auszubauen, um die Versorgungssicherheit Deutschlands im Bereich kritischer Rohstoffe zu stärken. Die kasachische Regierung hat ihrerseits großes Interesse an einem verstärkten Technologietransfer und an Investitionen aus Europa signalisiert.

Kasachstan zeigt sich als verantwortungsvoller, stabiler und zukunftsorientierter Partner in einem sich rasch wandelnden globalen Energie- und Rohstoffumfeld. Die deutsch-kasachische Zusammenarbeit wird dabei künftig noch stärker auf Resilienz, Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Technologietransfer im Rohstoffsektor ausgerichtet.

Pressemitteilung der Botschaft der Republik Kasachstan in Deutschland

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Kazakhstan Investment Day 2025: Neue Perspektiven für die kasachisch-deutsche Industriepartnerschaft

Am 2. April 2025 fand in der AKA Ausfuhrkredit-Gesellschaft in Frankfurt der Kazakhstan Investment Day 2025 statt – eine spannende Gelegenheit zur Vertiefung der wirtschaftlichen und industriellen Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und Deutschland. Mehr als 180 Teilnehmende aus Wirtschaft, Regierung, Finanzinstitutionen und Branchenverbänden folgten der Einladung des Ost-Ausschusses und weiterer Partnerorganisationen an den Main. Darunter befand sich auch eine hochrangige kasachische Delegation.
Eröffnet wurde das Forum vom Hessischen Minister für internationale Zusammenarbeit Manfred Pentz, dem Ersten Stellvertretenden Premierminister der Republik Kasachstan Roman Sklyar, dem Stellvertretenden Außenminister Alibek Kuantyrov, dem kasachischen Botschafter in Berlin Nurlan Onzhanov sowie von Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft.

Der Kazakhstan Investment Day 2025 diente als effektive Plattform zur Präsentation von Investitionsmöglichkeiten in Kasachstan, zum Erfahrungsaustausch und zur Koordination gemeinsamer Vorhaben in strategischen Schlüsselbranchen. Im Mittelpunkt des Forums standen drei strategische Themen, die die Agenda der bilateralen Zusammenarbeit langfristig prägen werden:

Gemeinsame Rohstoffprojekte
Ein zentrales Thema war die Finanzierung gemeinsamer Projekte. Diskutiert wurden verschiedene Förderinstrumente, darunter staatliche Investitionsgarantien, Exportkreditabsicherungen durch Euler Hermes, Finanzierungsmöglichkeiten über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie die Beteiligung des kasachischen Staatsfonds Baiterek, der eine zentrale Rolle bei der Förderung industrieller und innovativer Projekte in Kasachstan spielt.
Zudem wurde das Interesse am deutschen Rohstofffonds unterstrichen. Die KfW wurde von der Bundesregierung damit beauftragt, bis zu einer Milliarden Euro in das Eigenkapital von Bergbau-, Verarbeitungs- und Recyclingunternehmen zu investieren Mit diesem sollen Projekte im In- und Ausland gefördert werden, die einen Beitrag zur Rohstoffversorgungssicherheit leisten und der Gewinnung, Verarbeitung und dem Recycling von kritischen Rohstoffen dienen. Der Fonds soll zur Diversifizierung deutscher Lieferquellen beitragen und Projekte in Zentralasien könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. In Kasachstan wäre beispielsweise die industrielle Verwertung großer, metallreicher Abraumhalden aus der Bergbauindustrie von Interesse. In Kasachstan lagern mehr als 60 Milliarden Tonnen solcher Abfälle, die seit der Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Der typische Investitionsrahmen des Fonds liegt zwischen 50 und 150 Millionen Euro – ein attraktives Potenzial für deutsch-kasachische Kooperationen.
Kasachstan verfügt über eine herausragende Rohstoffbasis und ist derzeit in der Lage, 19 der 34 von der EU definierten kritischen Rohstoffe zu liefern – darunter Kupfer, Chrom, Titan, Phosphor, Beryllium, Tantal und Mangan.
Die Diskussion unterstrich die Notwendigkeit langfristiger Offtake-Vereinbarungen, die stabile und planbare Lieferströme für die europäische Industrie gewährleisten. Die Unternehmen HMS Bergbau und Knauf berichteten über ihre erfolgreichen Investitionsprojekte in Kasachstan. Zudem wurden die umfassenden Reformen im kasachischen Rohstoffsektor hervorgehoben: Die Einführung des Prinzips „first come – first served“ bei der Lizenzvergabe, die Anwendung internationaler Berichtsstandards (KAZRC auf Basis von CRIRSCO) sowie der Einsatz digitaler Plattformen wie Minerals.Gov.kz und E-Qazyna.kz haben die Transparenz und Effizienz deutlich erhöht. Bis Ende April 2025 sind Ausschreibungen für 50 Lagerstätten geplant, davon 21 im Bereich kritischer Rohstoffe.

Ausbau des Mittleren Korridors
Ein weiteres zentrales Thema war der Ausbau der Transport- und Logistikinfrastruktur entlang des Mittleren Korridors, auch genannt Transkaspischer Internationaler Transportkorridor, der Zentralasien über das Kaspische Meer und den Südkaukasus mit Europa verbindet. Kasachstan nimmt in diesem Korridor eine Schlüsselposition ein. Die kontinuierliche Entwicklung dieser Route eröffnet neue Möglichkeiten für den Export raffinierter Rohstoffe und weiterverarbeiteter Produkte. Schätzungen zufolge könnte die Durchlasskapazität des Korridors bis 2030 auf 20 Millionen Tonnen steigen – eine strategische Chance für die Anbindung an europäische Lieferketten.
Der Kazakhstan Investment Day 2025 hat das starke beiderseitige Interesse an einer intensiveren wirtschaftlichen Zusammenarbeit eindrucksvoll bestätigt. Kasachstan hat seine Position als verlässlicher Lieferant kritischer Rohstoffe und industrieller Partner Deutschlands klar unterstrichen. Die Veranstaltung markierte einen wichtigen Schritt hin zu einer vertieften industriellen Integration, zur Entwicklung nachhaltiger Wertschöpfungsketten und zu einer neuen Qualität der Partnerschaft zwischen Kasachstan und der Europäischen Union.

Vladimir Nikitenko, Regionaldirektor für Zentralasien im Ost-Ausschuss

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Rede des Kanzlers beim deutsch-kasachischen Wirtschaftsforum

Anlässlich des deutsch-kasachischen Wirtschaftsforums am 16. September 2024 in Astana hielt Bundeskanzler Olaf Scholz eine Rede zu den deutsch-kasachischen Wirtschaftsbeziehungen. Die Mitschrift der Rede, die unter Rede des Kanzlers beim deutsch-kasachischen Wirtschaftsforum (bundesregierung.de) veröffentlicht wurde, möchten wir an dieser Stelle dokumentieren. Es gilt das gesprochene Wort.

Lesen Sie hier die Mitschrift der Rede:

Sehr geehrter Herr Präsident Tokajew,
meine Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, heute zum ersten Mal als Bundeskanzler hier in Kasachstan zu sein. Unsere Länder verbinden über 30 Jahre diplomatische Beziehungen und eine noch sehr viel längere, wechselvolle Geschichte.

Unsere Länder verbinden aber vor allem auch unzählige persönliche Bindungen, Familien- und Lebensgeschichten. Die 200 000 Bürgerinnen und Bürger deutscher Herkunft in Kasachstan und die mehr als 800 000 Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, die aus Kasachstan nach Deutschland eingewandert sind, sie bilden eine feste Brücke zwischen unseren Ländern, die wir sehr schätzen, die wir pflegen und die uns auch in Zukunft verbinden wird. Dafür arbeiten wir eng zusammen in der Kultur- und Bildungspolitik, mit der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty, mit deutschen Partnerschulen und mit vielfältigen Austauschprogrammen.

Natürlich ist diese enge menschliche Verbindung auch ein wichtiger zusätzlicher Motor für unsere gute wirtschaftliche Zusammenarbeit, um deren entschiedenen Ausbau es hier und heute gehen soll. Jetzt ist dafür die richtige Zeit – und zwar nicht trotz, sondern wegen der unruhigen internationalen Lage, wegen der Störungen im internationalen Handel und auch wegen der vielen globalen Herausforderungen, allen voran durch den Klimawandel. In dieser Zeit der Unsicherheit brauchen wir enge, vertrauensvolle internationale Partnerschaften über Grenzen, über kulturelle Unterschiede und auch über teilweise unterschiedliche Weltsichten hinweg. Das unterstreicht die Bedeutung unserer Beziehungen und deren Konstanz gegenüber der gesamten Region Zentralasien.

Kasachstan nimmt darin für uns eine ganz zentrale Rolle ein. Mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt, sowohl absolut als auch pro Kopf, ist Kasachstan der größte Handelspartner Deutschlands in der Region. Dieses gestiegene Interesse unserer Unternehmen aneinander freut mich. Gleichzeitig bin ich dankbar für den vertrauensvollen Dialog zwischen uns, mit dem wir verhindern wollen, dass der Handel zwischen uns zur Umgehung von Sanktionen missbraucht wird.

Kasachstan zieht deutsche Investoren an und bietet dafür ein günstiges Umfeld. Das wissen wir und das wissen auch deutsche Unternehmen sehr zu schätzen. Ich weiß, dass deutsche Unternehmen und ihre Produkte auch hier in Kasachstan einen guten Ruf haben Das liegt sicherlich auch daran, dass sie keinen Extraktivismus, keinen Raubbau betreiben, sondern verantwortlich handeln ‑ indem sie gute Arbeitsplätze hier vor Ort schaffen, indem sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Ausbildung schätzen und darin investieren, indem sie hohe soziale und Umweltstandards setzen und indem sie mehr Wertschöpfung auch hier vor Ort schaffen. Beide Seiten profitieren von diesem Austausch, weil wir unsere Wirtschaften so diversifizieren und widerstandsfähiger machen.

Ein ganz konkretes Beispiel hierfür sind die Öllieferungen aus Kasachstan, die uns sehr geholfen haben, nachdem Russland als Versorger ausgefallen war. Sie waren und sind von entscheidender Bedeutung, insbesondere für die Raffinerie in Schwedt, wo wir zahlreiche Arbeitsplätze erhalten konnten. Für diese wichtige Zusammenarbeit, die fortgesetzt wird, sind wir Kasachstan sehr dankbar.

Wie umfassend die deutsch-kasachische Zusammenarbeit ist, zeigt sich an der schieren Fülle der Themen.

Erstes Stichwort: Klimawandel. Dieser wirkt sich ganz besonders stark auf die Länder Zentralasiens aus. Deswegen arbeiten wir in der von Deutschland ins Leben gerufenen Initiative „Green Central Asia“ zusammen, um Klimarisiken zu begegnen und die Widerstandsfähigkeit der kasachischen Wirtschaft zu erhöhen.

Der Umbau unserer Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität bringt Chancen, gerade auch für die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern. Bereits heute arbeiten wir in Sachen Energiesicherheit, nachhaltigen Wirtschaftens und der Entwicklung der nötigen Infrastruktur eng zusammen.

Hinzu kommt das Thema Wasserstoff. Das Projekt „Hyrasia One“ ist ein beeindruckendes Beispiel für die Möglichkeiten, die sich uns bieten. Es ist eines der größten Projekte für grünen Wasserstoff in der Region, mit dem Zeug dazu, ein echtes Leuchtturmprojekt für unsere Zusammenarbeit zu werden. Dass sich das deutsche Büro für Wasserstoffdiplomatie in Zentralasien für Kasachstan als Standort entschieden hat, war kein Zufall, sondern unterstreicht die wichtige Rolle, die Kasachstan hier spielt. Das Wasserstoffbüro arbeitet übrigens gerade an einer Studie zum weiteren Potenzial für die Erzeugung von grünem Wasserstoff in ganz Zentralasien. Das schafft die Basis für weitere konkrete Projekte, und ich lade sowohl staatliche Verantwortliche als auch Unternehmen in Zentralasien und Deutschland herzlich ein, sich daran zu beteiligen.

Zweites Stichwort: Transformation. Wir schauen auf Kasachstan als wichtigen Partner, wenn es um kritische Rohstoffe geht. Gemeinsam streben wir daher an, diese auch für eine erfolgreiche Energiewende notwendigen Rohstoffe unter Einbeziehung deutscher Technologien und deutschen Know-hows zu gewinnen und stärker in den Fokus unseres wirtschaftlichen Austauschs zu stellen – und zwar so, dass mehr Wertschöpfung hier vor Ort generiert wird.

Drittes Stichwort: Konnektivität. Wir wollen zwischen unseren Regionen enger zusammenrücken, und das heißt, die Transportwege schneller ausbauen. Im Vordergrund steht vor allem der Ausbau des mittleren Korridors. Die Europäische Global Gateway Initiative wird wichtige Infrastrukturprojekte auch in Kasachstan, einem Fokusland der Initiative, anschieben.

Von politischer Seite aus werden wir all das weiter flankieren. Erst im vergangenen Jahr war der deutsche Bundespräsident hier. Durch meine heutige Reise möchte ich unser Interesse an noch engeren Beziehungen unterstreichen. Die deutsche Wirtschaft teilt das Interesse; das zeigt die hochrangige, breit aufgestellte Wirtschaftsdelegation, die mich begleitet. Schön, dass Sie alle dabei sind!

Ich setze vor allem auf zwei Formate, um unsere Wirtschaftsbeziehungen weiter zu vertiefen: den Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsrat und den Berliner Eurasischen Club. Beide Plattformen bieten Unternehmen die Möglichkeit, sich zu vernetzen, sich auszutauschen und gemeinsam Projekte voranzutreiben. Ich danke allen sehr, die sich dort einbringen, und ich ermutige diejenigen, die das noch nicht tun, sich das einmal anzuschauen.

Jetzt freue ich mich sehr auf den Austausch mit Ihnen allen. Es interessiert mich, wie Sie die Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern erleben und welche Ideen Sie haben.

Schönen Dank insbesondere an die kasachische und die deutsche Wirtschaft für die Organisation dieses Forums!

Quelle: Rede des Kanzlers beim deutsch-kasachischen Wirtschaftsforum (bundesregierung.de)

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Ost-Ausschuss Delegation trifft 1. Vizepremierminster Roman Sklyar

Eduard Kinsbruner

Am 16. September fand im Rahmen des Besuches von Bundeskanzler Olaf Scholz in Kasachstan ein Treffen der deutschen Wirtschaftsvertreter mit dem1. Vizepremierminster Roman Sklyar statt. Im Mittelpunkt des traditionellen Austausches standen die konkreten Projekte der mitgereisten Wirtschaftsdelegation, unter anderem in den Bereichen Landwirtschaft, Rohstoffe, Erneuerbare Energien, Logistik und Bildung. Die 13-Köpfige Wirtschaftsdelegation, der auch die beiden stellvertretenden Ost-Ausschuss Vorsitzenden Christian Bruch (Siemens Energy) und Philipp Haußmann (Ernst Klett AG) angehören, wurde vom Parlamentarischen Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) Michael Kellner geleitet.

Runder Tisch mit Roman Sklyar in Astana. Foto: Ruslan Mazunin

Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms moderierte die Tischrunde der Lebhaften Diskussion.

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Bundeskanzler Olaf Scholz reist nach Zentralasien

Eduard Kinsbruner

Erster Wirtschaftsgipfel mit Scholz und allen zentralasiatischen Staatschefs 

Eine Delegation unter Beteiligung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft ist am 15. September 2024 zusammen mit Bundeskanzler Olaf Scholz nach Usbekistan und Kasachstan aufgebrochen. Am 16. September standen in der usbekischen Metropole Samarkand Wirtschaftsgespräche unter Beteiligung des Bundeskanzlers und des usbekischen Staatspräsidenten Shavkat Mirziyoyev an. Der Ost-Ausschuss unterzeichnete dabei ein bilaterales Kooperationsabkommen mit dem usbekischen Investitionsministerium.

Anschließend fand am gleichen Tag in Astana ein in großes Deutsch-Kasachisches Businessforum statt, an dem auch Bundeskanzler Scholz und der kasachische Staatspräsident Kasym-Jomart Tokajew teilnahmen. In der kasachischen Hauptstadt Astana kam es am 17. September als Höhepunkt der Reise erstmals zu einem Gespräch deutscher Wirtschaftsvertreter mit dem Bundeskanzler und den Präsidenten aller fünf zentralasiatischen Staaten (Z5+1). Im Rahmen der Delegationsreise stehen außerdem bilaterale Treffen mit den Staatspräsidenten von Kirgisistan, Tadschikistan und Turkmenistan auf dem Programm. Die zwölfköpfige Wirtschaftsdelegation, der auch die beiden stellvertretenden Ost-Ausschuss Vorsitzenden Christian Bruch (Siemens Energy) und Philipp Haußmann (Ernst Klett AG) angehören, wird vom Parlamentarischen Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) Michael Kellner geleitet.

„Mit seinem Besuch in Usbekistan und Kasachstan unterstreicht Bundeskanzler Scholz die wachsende Bedeutung Zentralasiens in einem veränderten geopolitischen Umfeld“, sagt der stellvertretenden Ost-Ausschuss Vorsitzende Christian Bruch. Die Begleitung durch eine hochrangige Wirtschaftsdelegation zeige zugleich, dass diese Region nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich zunehmend wichtiger für Deutschland werde. „Die Staaten in Zentralasien spielen eine entscheidende Rolle für die Energiewende“, sagt Christian Bruch. „Die Region verfügt nicht nur über wertvolle Rohstoffe, die für die Transformation unserer Energiesysteme unverzichtbar sind, sondern sie bietet auch ideale Bedingungen für die Erzeugung erneuerbarer Energie und bildet junge, motivierte Fachkräfte aus, die wir in Deutschland dringend benötigen. Deutsche Unternehmen können entscheidend dazu beitragen, dieses immense Potenzial in konkrete Projekte umzusetzen. Der Besuch des Bundeskanzlers und die engere Partnerschaft mit den zentralasiatischen Staaten sind daher ein wichtiger Schritt für die deutsche Wirtschaft.“

Kasachstan fünftgrößter Öllieferant

Kasachstan ist bereits heute der fünftgrößte Erdöllieferant Deutschlands und der EU. Perspektivisch kann das Land aber auch eine wichtige Rolle bei der Versorgung der europäischen Industrie mit Grünem Wasserstoff spielen. Entsprechende Projekte deutscher Unternehmen sind bereits in der Umsetzung. Umgekehrt können deutsche Technologien dazu beitragen, die Energieintensität in Zentralasien durch Investitionen in moderne Kraftwerke, energieeffiziente Industrieanlagen und Gebäude zu senken.

Auch als Agrarproduzent und alternativer Transportweg nach Asien spielt Zentralasien eine wichtige Rolle. Gerade vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist die globale Versorgung mit Agrarprodukten verstärkt in den Blickpunkt gerückt. „Ernährungssicherheit geht uns alle an, und sie ist ein Kernanliegen deutscher Agrarunternehmen“, sagt Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms, der ebenfalls Mitglied der Delegation ist. „Die nachhaltige Modernisierung der Landwirtschaft und die Steigerung der Ernteerträge ist für die Volkswirtschaften Zentralasiens und die Welternährung insgesamt von größter Bedeutung.“

Bundeskanzler Olaf Scholz und Staatspräsident Kasym-Jomart Tokajew beim Business-Forum in Astana. Foto: Eduard Kinsbruner

In Astana stand ein großes Deutsch-Kasachisches Businessforum auf der Agenda, an dem auch Bundeskanzler Scholz und Staatspräsident Toqaev

Logistikdrehscheibe zwischen Europa und Asien

Zentralasien ist das geographische Bindeglied zwischen der Europäischen Union (EU) und den Wachstumsmärkten in Südostasien. Der so genannte Mittlere Korridor über das Kaspische Meer und den Südkaukasus ist eine zunehmend attraktive Route, die allerdings bereits jetzt an Kapazitätsgrenzen stößt. „Die Global-Gateway-Strategie der EU kann hier einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die europäischen Transportwege zu den asiatischen Wachstumsmärkten zu diversifizieren“, sagt Michael Harms. „Generell sind die Staaten Zentralasiens mit zusammen 80 Millionen Einwohnern verlässliche Partner und interessante Zukunftsmärkte für die EU und Deutschland. Es ist daher zu begrüßen, dass die Bundesregierung die Beziehungen mit dem Z5+1-Format auf eine neue Stufe gestellt hat.“ Die Reise knüpft an den ersten Zentralasien-Gipfel in diesem Format im September 2023 in Berlin an, in dessen Rahmen der Ost-Ausschuss bereits ein Unternehmergespräch mit allen fünf zentralasiatischen Staatsoberhäuptern organisiert hatte.

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Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew hält jährliche Rede zur Lage der Nation

Eduard Kinsbruner

In seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation an das kasachische Volk mit dem Titel „Ein gerechtes Kasachstan: Recht und Ordnung, Wirtschaftswachstum, öffentlicher Optimismus“ hat der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew am 2. September weitreichende Maßnahmen zur Entwicklung und Modernisierung der kasachischen Wirtschaft, Infrastruktur und Energieversorgung des Landes sowie seiner Gesellschaft angekündigt.

Dabei forderte Tokajew die Regierung auf, den Anteil mittelständischer Unternehmen an der Wirtschaft bis 2029 auf 15 Prozent zu erhöhen. Heute liegt dieser Anteil bei rund 7 Prozent. Ein Ziel sei es, Investitionen in den agroindustriellen Komplex zu lenken. Die wichtigste Aufgabe sei ein schrittweiser Übergang von der direkten Subventionierung des Agrarsektors zur Bereitstellung bezahlbarer Kredite. Alle zugewiesenen Mittel müssten effektiv eingesetzt werden, forderte der kasachische Präsident in seiner Rede.

Fortschritte soll es auch in der Energiepolitik des Landes geben. Bis Ende des Jahres soll ein nationales Projekt zur Modernisierung des Energie- und Versorgungssektors verabschiedet werden. In diesem Zusammenhang kündigte Präsident Tokajew an, dass am 6. Oktober in Kasachstan ein Referendum über den Bau eines neuen Atomkraftwerks stattfinden wird. In seiner Rede betonte Tokajew, dass das Land angesichts der weltweit fortschreitenden Erschöpfung verlässlicher Versorgungsquellen dringend neue saubere Energiequellen entwickeln müsse, allen voran die Kernenergie. „In den 200 am weitesten entwickelten Ländern der Welt gibt es mehr als 30 neue Projekte zum Bau von Kernkraftwerken“, betonte der kasachische Präsident.

In seiner Rede ging Tokajew auf den auch in Kasachstan herrschenden Fachkräftemangel ein. Die Versorgung der Wirtschaft mit qualifiziertem Personal müsse die vordringlichste Aufgabe sein. Dazu müsse der akute Fachkräftemangel in der Industrie, insbesondere im Bau- und Wassersektor, bei Energietechnikern und in vielen anderen Bereichen überwunden werden. Dazu internationalisiert die Regierung die Hochschulbildung und konnte bisher 23 renommierte ausländische Universitäten mit Niederlassungen im Land ansiedeln, um die Ausbildung von Fachkräften deutlich zu erhöhen. Der Präsident hat das Jahr 2025 zum Jahr der Berufe erklärt. In diesem Jahr solle eine Reform des Systems der technischen und beruflichen Bildung auf den Weg gebracht werden, so Tokajew.

In seiner Rede zur Lage der Nation betonte Präsident Tokajew auch die Notwendigkeit, die Förderung einheimischer Rohstoffe und Komponenten zu maximieren und die damit verbundenen Industrien rund um die Großunternehmen zu einem entsprechenden wirtschaftlichen Ökosystem zu entwickeln und durch umfassende Infrastrukturprojekte, etwa in den Bereichen Logistik und Energieversorgung, zu flankieren, was insbesondere eine Einladung an deutsche und europäische Unternehmen darstellt, sich stärker in dem zentralasiatischen Land zu engagieren.

Auch bei der weiteren Digitalisierung des Landes geht Kasachstan neue Wege. So werde der neuntgrößte Staat der Welt bis zum kommenden Jahr ein nationales Zentrum für Künstliche Intelligenz (KI) in der kasachischen Hauptstadt einrichten, kündigte der Präsident an. Das Zentrum soll Schülern, Studenten, Forschern und Unternehmern offenstehen.

„Kasachstan muss seine Errungenschaften im Bereich der Digitalisierung konsolidieren. Wir müssen Technologien der künstlichen Intelligenz in die elektronische Regierungsplattform integrieren. Kasachstan sollte eine führende Rolle bei der breiten Einführung von KI und der Entwicklung digitaler Technologien spielen. Dies ist eine vorrangige Aufgabe für die Regierung und ich fordere die Abgeordneten auf, diese Initiative zu unterstützen“, fügte er hinzu.

In seiner Rede unterstrich Tokajew die Bedeutung des Projekts zur Verlegung einer Glasfaser-Kommunikationsleitung durch das Kaspische Meer, das 2025 fertiggestellt werden soll. Dies sei ein entscheidendes Projekt für Kasachstan, das für die Schaffung einer robusten digitalen Infrastruktur zur Unterstützung internationaler Korridore und grenzüberschreitender Datenströme unerlässlich sei.

Abschließend betonte der Präsident den gesellschaftlichen Zusammenhalt Kasachstans und dass sprachliche, religiöse, ethnische und rassistische Diskriminierung keinen Platz im Land und in der Gesellschaft haben dürfen. „Offenheit und Toleranz sind seit jeher charakteristisch für unsere Nation und bilden vor allem die Grundlage für Einheit und Einigkeit – die wichtigsten Werte unserer Nation“, so Präsident Tokajew.

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